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Austritt aus CORSIA

Was ist das Problem?

Die UN-Sonderorganisation ICAO (International Civil Aviation Organisation) ist für Belange des internationalen Flugverkehrs verantwortlich und soll in diesem Bereich auch für Emissionseinsparungen sorgen. Nach jahrelanger Hinausgezögerung richtete sie schließlich einen Mechanismus namens CORSIA ein, was für „Carbon Offsetting and Reduction Scheme for International Aviation“ steht. Dieser Mechanismus basiert vorwiegend auf der Kompensation von Emissionen: Fluggesellschaften sollen für die ab 2020 hinzukommenden CO2-Emissionen Gutschriften kaufen. Diese kommen aus Projekten, die vorgeben Emissionen einzusparen, wie beispielsweise Baumplantagen oder Wasserkraftwerke. Anvisiert wird „CO2-neutrales Wachstum“ des internationalen Flugverkehrs ab 2020.

Das Problem dabei: CO2-Kompensation funktioniert nicht! Die Kompensationsprojekte sollen entweder Emissionen anderswo vermeiden, woraus bestenfalls ein Nullsummenspiel resultiert, was uns den Klimazielen kein Stück näherbringt. Oder die Projekte sollen Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre entziehen und speichern, wobei die Langfristigkeit dieser Speicherung unter keinen Umständen gewährleistet werden kann. Ein aufgeforsteter Wald beispielsweise kann jederzeit wieder abgeholzt werden oder niederbrennen. Die meisten Kompensationsprojekte haben in der Vergangenheit nicht die versprochenen Einsparungen erreicht: Beim Clean Development Mechanismus der UNO, dem häufigsten Offset-Mechanismus, etwa ist das laut einer Studie des Öko-Instituts für die Europäische Kommission nur für 2 % der Projekte sehr wahrscheinlich.

Neben der Tatsache, dass CO2-Kompensation für das Klima wenig relevant ist, ist das System dahinter auch aus ethischen Gründen äußerst fragwürdig: Sie sind ein Ablasshandel vor allem für Gesellschaften und Industrien im Globalen Norden, die ihre Lebens- und Produktionsweise nicht in Frage stellen wollen. Die Bearbeitung der Klimaprobleme wird ausgelagert – dorthin, wo die Emissionseinspeicherung kostengünstiger ist: In den → Globalen Süden, wo der Großteil der Offset-Projekte beheimatet sind. Viele dieser Projekte führen zu Menschenrechtsverletzungen, so beispielsweise in Zusammenhang mit Staudammprojekten oder der Einschränkung der traditionellen Waldnutzung.

Darüber hinaus ignoriert CORSIA die wissenschaftlichen Fakten: Flugverkehr ist nicht nur wegen des CO2-Ausstoßes problematisch, sondern erzeugt weitere klimaerhitzende Substanzen. CORSIA ist zudem die ersten Jahre freiwillig für Länder. Des Weiteren treibt CORSIA die Nutzung von Agrartreibstoffen voran, um Kerosin durch „Alternativen“ zu ersetzen – darunter Palmöl. Dies sind die Hauptgründe dafür, dass CORSIA vor allem dem Image der ICAO und der Flugindustrie dient. Er verhindert währenddessen andere, effektivere Maßnahmen zur Begrenzung von Flügen und deren Klimaschädlichkeit.


Was ist die Maßnahme?

CORSIA darf nicht als legitime, ausreichende Maßnahme für Emissionsreduktion der internationalen Luftfahrt anerkannt werden. Um dies zu zeigen, müssen Deutschland und die EU aus dem entsprechenden Abkommen austreten. Die Emissionen der internationalen Luftfahrt (inklusive der Nicht-CO2-Effekte) sollten in den nationalen Reduktionszielen aller Staaten mit eingerechnet und über den UNFCCC kontrolliert werden. Effektive Maßnahmen wie die Besteuerung von Kerosin, die Verlagerung von Flügen auf die Bahn etc. müssen anstelle der Scheinlösung CO2-Kompensation treten.


Wie wird damit dem Klimawandel entgegen gewirkt?

Durch die Anerkennung, dass CORSIA keinen Klimaschutz bringen kann, wird der Branche ihr größtes Greenwashing-Argument genommen. Auf individueller Ebene kann dies zu einer verringerten Nutzung von Flügen führen, auf systemischer Ebene müssen andere, wirksamere Reduktionsmaßnahmen eingesetzt werden.


Welche anderen Effekte hat die Maßnahme?

Kompensation spielt nicht nur in der Luftfahrt eine Rolle, sondern in vielen CO2-intensiven Branchen, die nicht auf Wachstum verzichten wollen. Ein Ausstieg aus CORSIA könnte einen Anstoß zu einer öffentlichen Debatte über die Ungerechtigkeit und Unwirksamkeit von CO2-Kompensation geben.


Probleme sozialer, globaler oder Generationengerechtigkeit

Das System “Fliegen“ ist in vielen verschiedenen Dimensionen unglaublich ungerecht: Der Flugsektor ist stark von den Regierungen subventioniert, d.h. jede*r von uns zahlt dafür. Dabei haben nur circa 10 % der Weltbevölkerung jemals ein Flugzeug bestiegen und noch weniger Menschen fliegen sehr viel. Der Flugverkehr ist Teil unserer imperialen Lebensweise, die nur möglich ist, weil andere Menschen die Konsequenzen ertragen.


Weiterführende Literatur, Quellen



 

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