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Großanlagen Photovoltaik in Bürger*innenhand

Was ist das Problem?

Es werden aktuell viel zu wenige erneuerbare Energieerzeugungsanlagen in Deutschland und weltweit hinzugebaut. Selbst für das von der Bundesregierung ausgegebene Ziel (65% erneuerbare Energien in der deutschen Stromerzeugung bis 2030) müssten mindestens 8 GW Photovoltaik pro Jahr hinzugebaut werden.1 Aktuell liegt der Zubau bei etwa 4 GW pro Jahr.2 Um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, müssen sogar 15 GW Photovoltaik pro Jahr zugebaut werden.3
 


Was ist die Maßnahme?

Große Photovoltaik-Projekte können einen wichtigen Beitrag leisten, um die notwendigen Zubauraten zu erreichen. Die Anlagen sollen weitestgehend den Bürger*innen gehören. Das Finanzierungsmodell der Anlagen, bei dem sich möglichst viele Privatpersonen aber auch Investor*innen und Banken beteiligen können, enthält eine Umverteilungskomponente: Je kleiner die Investition, desto höher die prozentuelle → Rendite. Die große Investorin bekommt absolut gesehen immer noch eine höhere Rendite, prozentuell aber eine kleinere.
Der Großkonzern EnBW hat im Herbst 2019 den Bau des bislang größten Solarparks in Deutschland mit 180 MWp Leistung beschlossen.4 Da diese Anlage größer als 10 MWp ist, wird sie nicht gefördert. EnBW verkauft den Strom an der Strombörse. Es scheint also auch unter den derzeitlichen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen möglich zu sein, große Photovoltaik-Anlagen zu realisieren.5
 


Wie kann die Umsetzung aussehen?

Ein wichtiger Punkt ist, wie eine breite Masse an Bürger*innen erreicht und motiviert wird, sich an solchen Projekten zu beteiligen. Einfache Wege sind Crowd-Funding-Plattformen, aber eine schrittweise breitere Bürger*innenbeteiligung wäre erstrebenswert. Für die ersten Pilotprojekte können interessierte Kleininvestor*innen über Crowd-Funding-Plattformen und im Umfeld von Umweltbewegungen gesucht werden. Über Pilotprojekte kann Vertrauen für ein breiteres Publikum für Folgeprojekte aufgebaut werden.
Durch die physische Mithilfe an der Projektentwicklung, Grundstücksakquise, dem Bau etc. können engagierte Personen Projektbeteiligungen erwerben. Andere Menschen beteiligen sich finanziell. Die Bereitschaft, sich auf eine bestimmte Weise an Photovoltaik-Projekten zu beteiligen, ist sicher von Mensch zu Mensch verschieden. Entsprechend muss es auch mehrere Modelle – von Genossenschaften über klassische Investitionsprojekte (mit Umverteilungskomponente) – geben. Wobei Genossenschaftsmodelle mit Einzelbeteiligungen von max. 10% erstrebenswert sind.


Wie wird damit dem Klimawandel entgegen gewirkt?

Je mehr und größer die Projekte, desto größer die CO2-Einsparungen. Es geht darum, fossile Kraftwerke zu ersetzen. Wir müssen in GW denken und dazu eine große Masse mobilisieren. Die CO2-Einsparung pro kWh PV-Strom im Vergleich zum deutschen Strommix beträgt 550g (1000g in Vgl. zur Braunkohle).6 Bei grob 1000kWh/kW/Jahr sind das 550kg CO2-Einsparung pro kW pro Jahr. Also 550.000 Tonnen pro GW pro Jahr. Jedes zusätzliche GW Photovoltaik erhöht den Druck auf fossile Energieträger und nimmt ihnen die Legitimationsbasis.
 


Welche anderen Effekte hat die Maßnahme?

Photovoltaik-Freiflächenanlagen haben im Vergleich zur Nutzung der Flächen durch → konventionelle Landwirtschaft Vorteile in Bezug auf die → Biodiversität.7 Eine Doppelnutzung von Flächen für Landwirtschaft und Stromerzeugung ist bei entsprechender Gestaltung der Anlage möglich. In südlichen Regionen hat die Doppelnutzung sogar positive Auswirkungen auf die landwirtschaftlichen Erträge.8


Wie schnell kann die Maßnahme umgesetzt werden?

Photovoltaik-Projekte können im Vergleich zu anderen Kraftwerken relativ schnell umgesetzt werden (weniger Widerstand als z.B. bei Wind, relativ geringer Planungsaufwand). Der wichtigste Arbeitsschritt ist die Projektentwicklung. Wichtige Kooperationspartner könnten dabei z.B. folgende Organisationen sein:

  • Farmers for Future
  • DLG e.V.
  • LandSchafftEnergie
  • Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V.

Über ein Netzwerk zu solchen oder ähnlichen Organisationen kann der Zugang zu geeigneten Flächen erleichtert werden. In 1-2 Jahren nach der Projektentwicklung kann ein Projekt bereits ans Stromnetz angeschlossen werden.


Weiterführende Literatur, Quellen



 

Stand der Übersetzung

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