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Reduzierte, effiziente und auf Langlebigkeit ausgerichtete Holznutzung (Kaskadennutzung)

Was ist das Problem?

Wenn Holz stofflich genutzt wird, so bleibt der durch den Bau gebundene Kohlenstoff vorerst im Holzprodukt gespeichert. Vor diesem Hintergrund wird die Dauer der Nutzung des Holzproduktes relevant. Der hohe Anteil der energetischen Verwertung wird so aus Klimaperspektive zum Problem. Weltweit werden 2,3 Milliarden Kubikmeter und damit 59% des Holzes zur Energiegewinnung als Feuerholz genutzt und 41% oder 1,6 Milliarden Kubikmeter für andere stoffliche Nutzung. Die energetische Nutzung in diesem großen Maßstab muss zurückgefahren und gerade bezüglich der Anwendung zum Kochen und Heizen durch erneuerbare Energien ersetzt werden, da sonst der gebundene Kohlenstoff direkt wieder frei wird. Ziel muss es sein, die energetische Nutzung erst ans Ende einer Nutzungskaskade zu stellen.


Momentan wird viel Holz (als Rohmaterial oder in verarbeiteter Form) exportiert und importiert. Die damit verbundenen Transportwege und Handelsströme verursachen Emissionen. Außerdem zeigt sich mit Blick auf die Import- und Exportstatistiken ein typisch postkoloniales Bild. Wertvolle Rohstoffe (Holz aus Urwäldern etc. ) werden aus Ländern des → globalen Südens zur Verarbeitung nach Europa geschafft, wo die letztendliche Wertsteigerung stattfindet. Das Produkt wird dann größtenteils dort verwendet oder in kleineren Mengen wieder in die Herkunftsländer zurück verkauft. So sind die Netto-Waldverluste fast ausschließlich auf Länder des globalen Südens verteilt und auf dem Afrikanischen Kontinent ähnlich präsent wie auf dem Mittel- und Südamerikanischen, sowie in Südostasien. Die Rohstoffverfügbarkeit ist dabei ein globales Problem welches deutlich die nach wie vor postkolonialen Machtstrukturen zeigt.


Die anzustrebende regionale Holzverarbeitung wird immer schwieriger, da traditionelle Sägemühlen nicht mehr rentabel sind oder von Großbetrieben vom Markt verdrängt wurden. Auch hier manifestiert sich eine global ungleiches Machtgefüge zwischen globalem Süden und Norden. Hinzu kommt der massive Einfluss der Industrien auf die angepflanzten Spezies. So wächst Nadelholz nicht nur schneller, sondern ist gerade in der stofflichen Verwertung auch mit besseren Eigenschaften ausgestattet. Aus ökologischer Perspektive ist einer einseitigen Ausrichtung jedoch eine klare Absage zu erteilen. Die Ergebnisse einer solchen Waldpolitik sind weltweit, in Deutschland zum Beispiel anhand der besonders stark unter Druck stehenden → Ökosysteme abzulesen in denen Fichten und Kiefermonokulturen dominant sind.


Es muss ein Umdenken sowohl in der stofflichen Verwertung, als auch im Verbrauch generell stattfinden, Stichwort → Suffizienz. So hat sich in den letzten 30 Jahren der Holzverbrauch in Deutschland verdoppelt, was gerade aufgrund seiner Eigenschaft als Erneuerbare Ressource auch im Sinne des Klimas sein kann. Schließlich ist die zukünftig gesteigerte Nutzung von Holz aus Baustoff schon aufgrund des vergleichsweise geringen Energieaufwandes höchst sinnvoll. Das heißt im Umkehrschluss, wir brauchen Holz um eine klimaneutrale Welt zu gestalten, aber nicht in den Händen einer konsum- und profitorientierten Wirtschaft, sondern ausgerichtet nach dem tatsächlichen Gebrauch der weltweiten Zivilgesellschaft.


Was ist die Maßnahme?

In langlebigen Produkten wie (lange genutzten) Möbeln oder Holz als Baustoff ist die langfristige Bindung des Kohlenstoffs gegeben. Produkte, welche aus Primärholz hergestellt werden, müssen also für eine langlebige Nutzung konzipiert werden. Werden weniger Produkte - dafür über einen längeren Zeitraum - genutzt, steigt selbst bei steigender Verwendung von Holz beispielsweise als Baumaterial der Holzverbrauch nicht an, sondern kann im Gegenteil sinken. Holz als stoffliches Substitutionsmaterial ist durchaus relevant, insbesondere da es andere nicht-erneuerbare und oft energieintensive Materialien (z.B. Zement) ersetzen kann. Neben der effizienten und langlebigen Holznutzung ist die Kaskadennutzung relevant. Dabei wird Holz mehrfach genutzt und auf verschiedenen Stufen für verschiedene Nutzungsbereiche eingesetzt.

Anders als die stoffliche Substitution ist die energetische Verwendung (als Substitution für fossile Energieträger) kritisch zu sehen. Bei der Verwendung von Holz (in Form von Pellets oder Hackschnitzeln) zur Erzeugung von Wärme und Strom wird zum einen der vormals im Holz gespeicherte Kohlenstoff wieder frei. Im sehr kleinen Stil für die Nutzung von nicht anders verwendbaren Holzabfällen ist die energetische Nutzung von Holz eine Möglichkeit, allerdings darf diese Form der Nutzung nicht als großskaliges Geschäftsmodell aufgezogen werden. Insbesondere Import von nicht nachhaltig geschlagenem Holz in Form von Hackschnitzeln oder Pellets ist hoch problematisch.


Wie kann die Umsetzung aussehen?

  • Es braucht mehr lokale und regionale Wertschöpfungsketten für eine Verarbeitung von Holz als Baustoff. Kleine, lokale und regionale Sägewerke, welche den Rohstoff zum Bau/Werkstoff verarbeiten, sollten durch Fördermaßnahmen unterstützt werden.
  • Es werden Architekt*innen und Planer*innen, die dem Baustoff Holz den Vorrang geben, sowie Zimmerleute, die mit dem Baustoff Holz langlebige und haltbare Gebäude errichten, und Tischler*innen und Schreiner*innen die mit dem Werkstoff Holz langlebige und haltbare Möbel und Fußböden bauen können, benötigt. Eine Fokussierung hierauf in den jeweiligen Ausbildungen der Berufe ist damit erforderlich.
  • Politische Maßnahmen, zum Beispiel Bauvorschriften, die dem Baustoff Holz den Vorrang geben. Generell Gesetze, welche die ökologische Bilanz von Produkten insbesondere Baustoffen berücksichtigt.
  • Für Produkte aus Holz können Vorschriften hinsichtlich einer Mindestnutzungsdauer festgelegt werden, sowie eine Verpflichtung, die Nutzbarkeit der Gegenstände über entsprechend lange Zeiträume zu garantieren.
  • Viele Bauprojekte werden durch staatliche Entscheidungsträger*innen in Auftrag gegeben. Zudem macht die Nutzung von Holzprodukten (Papier!) im öffentlichen Raum einen großen Anteil aus. Hier muss vom Primat der günstigsten Beschaffung abgerückt werden hin zu der Auswahl anhand von ökologischen und sozialen Standards.
  • In manchen Bereichen (bspw. Hygieneartikel, welche notwendigerweise das Ende der Nutzungskaskade darstellen, aber auch Papier/Pappe/viele Verpackungsprodukte) könnte die Verwendung von Primärfasern schlichtweg verboten werden und eine Pflicht zur Nutzung von recycelten Materialen eingeführt werden.


Suffizienz muss auch in diesem Wirtschaftszweig als oberstes Gebot gelten um gerade den übermäßigen und oftmals sinnlosen Konsum von Produkten einzudämmen. Eine Abkehr von der → Effizienz ist also auch hier geboten. Es darf nicht zu einer 1:1-Substitution von Rohstoffen unserer heutigen Wirtschaft kommen, da diese schlicht rechnerisch nicht möglich ist. Um ein Vorgehen auf gesellschaftlicher Ebene zu verhandeln ist auch die Wissenschaft und ihre Förderung gefragt, um Zahlen und einen Maßstab zu liefern.


Wie wird damit dem Klimawandel entgegen gewirkt?

Wälder und Produkte aus Holz sind an sich Kohlenstoffsenken. Zudem reduziert die effizientere Nutzung von Holz und die Nutzung in Kaskaden den Gesamtholzverbrauch bzw. Holz kann an andere Stellen THG-intensive und problematische Stoffe (z.B. im Bau) ersetzen, wodurch erhebliche Mengen an THG eingespart werden können. Auch eine Regionalisierung wirkt durch das Vermeiden von beim Transport anfallenden Emissionen dem Klimawandel entgegen.


Welche anderen Effekte hat die Maßnahme?

Weitere sich ergebende positive Effekte sind die Stärkung des ländlichen Raums durch verarbeitende Wirtschaftszweige direkt vor Ort. Durch den insgesamt nicht steigenden, gegebenenfalls sogar sinkenden Verbrauch (je nachdem in welchem Ausmaß andere Baustoffe substituiert werden und je nachdem wie stark der Gesamtverbrauch reduziert wird) kann auch insgesamt der Waldanteil, welcher nicht stark wirtschaftlich genutzt wird, erhöht werden, was positiv auf die → Biodiversität und → Resilienz der Waldökosysteme rückwirkt. Auch könnte im Zuge der Ausrichtung auf langlebige Holzprodukte der Laubholzanteil, insbesondere Buchen und Eichen, welche auch natürlicherweise in Deutschland vorkommen, erhöht werden.


Wie lang dauert es, bis die Maßnahme Wirkung zeigt?

Wirkungen durch langlebigere Nutzung von Holzprodukten oder die Nutzung in Kaskaden zeigen sofortige Effekte durch die Reduktion des Holzeinschlags oder der Holzimporte bzw. den Rückgang der Verwendung von beispielsweise Zement. Mit der Maßnahme einhergehende Umgestaltungen von Berufen und Produktionsketten benötigen etwas Zeit, aber die Maßnahme selbst zeigt mit der beginnenden Umsetzung eine Wirkung.


Bezüge zu sozialer, globaler oder Generationengerechtigkeit

Insbesondere die beiden Aspekte der Regionalisierung der Holznutzung und der stofflichen Substitution durch heimisches Holz gehen mit sehr positiven Auswirkungen für die globale Gerechtigkeit einher. Durch Importe von Holz oder Holzprodukten wird momentan die Rodung und Zerstörung von Wald in andere Länder ausgelagert und oft dadurch indirekt eine nicht nachhaltige Waldnutzung unterstützt. Besonders relevant ist hierbei die Zerstörung von besonders schützenswerten Primärwäldern und die Auswirkungen auf die lokale, vom Wald lebenden und auf intakte Wälder angewiesene Bevölkerung. Erhebliche positive Auswirkungen sind zudem mit der Substitution von hochproblematischen Stoffen wie Zement oder Beton verbunden. Mit dem Extraktivismus (Abbau und Gewinnung) von z.B. Zement sind massive Beeinträchtigungen von Ökosystemen (oft sehr sensible Ökosysteme wie beispielsweise Karstgebiete), Umsiedlungen und Menschenrechtsverletzungen der lokalen Bevölkerung verbunden. Zudem erfolgt der Abbau in der Regel durch transnational agierende Großkonzerne (Beispiel: Zementabbau in Indonesien) Auch die Stärkung von lokalen und regionalen Wertschöpfungsketten und handwerklichen Berufen trägt zu sozialer Gerechtigkeit und der Stärkung des ländlichen Raums bei.


Weiterführende Literatur, Quellen





Stand der Übersetzung

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