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Renaturierung und Ausweitung der Schutzgebiete

 


Was ist das Problem?

In Deutschland existierten einst riesige Laubmischwälder auf einer Fläche von rund 23 Millionen Hektar. Heute gibt es in Deutschland insgesamt noch rund 11,4 Millionen Hektar Wald. Davon gilt lediglich ein Drittel als naturnah. Urwälder gibt es gar keine mehr.
Die Wälder Deutschlands werden abgesehen von 1,4% der Waldfläche, auf der die Nutzung vollständig untersagt ist und weiteren 1,9% auf welcher die Nutzung stark eingeschränkt ist, meist intensiv bewirtschaftet, wobei die Produktion von Holz an erster Stelle steht.
Zudem umfassen die FFH-Gebiete und Vogelschutzgebiete des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 rund 2,7 Mio. Hektar bzw. 24 Prozent der deutschen Waldfläche . Diese Gebiete gelten zwar als besonders schützenswert, wie jedoch das Beispiel des Hambacher Walds zeigt, ist dies keineswegs ein ausreichender Schutz gegen Eingriffe oder vollständige Rodung.


Was ist die Maßnahme?

Die Regeneration und Ausweitung natürlicher Walder spielen bei der Speicherung von CO2 eine zentrale Rolle. Aus Klima- und → Biodiversitätsperspektive ist die natürliche oder unterstützte Regeneration ursprünglicher Wälder deutlich effektiver und sinnvoller als etwa das Aufforsten mit → Monokulturen, da diese nur sehr geringere Mengen CO2 speichernund dieses etwa bei Waldbränden schnell wieder frei werden kann.

Die benötigte Maßnahme lautet daher, einen weit größeren Anteil der Waldfläche als Schutzgebiete auszuweisen und vollständig der natürlichen Entwicklung zu überlassen, da in diesen Wäldern zeitnah und dauerhaft die größte Kohlenstoffakkumulation stattfindet. Insgesamt ist die Ausweitung der Waldfläche anzustreben, insbesondere als Schutzzone um besonders bewahrenswerte (Primär)Wälder. Im Fokus müssen wertvolle Waldböden, in welchen sich die Hälfte des im Wald gespeicherten Kohlenstoffs befindet, und der Erhalt bzw.die Wiederherstellung von Waldmooren stehen.

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Wie kann die Umsetzung aussehen?

Die Ausweitung von naturnahen Wäldern wird möglich, wenn der Flähenbedarf der Ernährung sinkt. Dies ist vor allem über eine Verringerung der (inidustriellen) Tierproduktio und dem Umsetzen produktiver Mischkulturen sowie der Holzerzeugung in Agroforstsystemen möglich.
In den in staatlicher Hand befindlichen Wäldern ist im Zusammenspiel mit einer veränderten Waldbewirtschaftung und einer effizienteren Holznutzung (siehe andere Maßnahmen) durch entsprechende Richtlinien und den nötigen politischen Willen die Ausweisung von Schutzgebieten und ihr strikter Schutz sofort umsetzbar. Für Privatwaldbesitzer*innen können (finanzielle) Anreize oder Ausgleichszahlungen bei unterlassener Nutzung förderlich sein.
So wäre ein konsequenter Schutz der FFH-Gebiete vor Eingriffen und Zuerstörung ein sehr wichtiger erster Schritt.


Wie wird damit dem Klimawandel entgegen gewirkt?

THG-Emmissionen werden in Bezug auf verschiedene Aspekte eingespart. Zum einen vermiedene Emissionen, die andernfalls durch Landnutzungsänderungen frei geworden wären, vor allem aber die → Senkenleistung der Wälder selbst, welche sowohl durch die Ausweitung von Waldflächen als auch durch die Regeneration von degradierten Waldflächen und deren Entwicklungen in zu natürlicheren Waldökosystmen gefördert wird (→ Ökosystem). Vor allem alte und naturbelassene Wälder sind bedeutende Kohlenstoff-Senken. Neben der Kohlenstoffspeicherung haben Wälder auch einen bedeutenden Effekt auf das Regionalklima und auf das Niederschlagsregime der Großregion.

In abgebildeter Grafik wurde das CO2-Minderungspotential errechnet, das sich ergibt, wenn etwa die Hälfte der weltweiten Waldflächen in einen naturbelassenen Zustand zurückversetzt würde, aufgegliedert nach den einzelnen Apsekten.



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Abb: CLARA (2018): S.3.


Welche anderen Effekte hat die Maßnahme?

Renaturierungen, die Ausweisung von Schutzgebieten und die Ermöglichung einer natürlichen Entwicklung von → Ökosystemen haben zahlreiche weitere positive Effekte, beispielsweise auf die → Biodiversität, indem diese Ökosteme zu wertvollen Lebensräumen werden. Außerdem wird langfristig die → Resilienz der Ökosysteme gestärkt, auch wenn es zu kurzfristigeren Störungen, insbesondere beim Ausgang von → Monokulturen, z.b. durch Schädlingsbefall kommen kann. Auch in Bezug auf den Wasserhaushalt (auch Hochwasserschutz und Rückhaltekapazitäten) ergeben sich positive Rückwirkungen.


 

Wie schnell kann die Maßnahme umgesetzt werden und wie lange dauert es, bis sie?

Die Maßnahme der Unterlassung der Eingriffe und der Ausweisung von Schutzgebieten kann sofort umgesetzt werden. Je nach Ausmaß der menschlichen Beeinflussung dauert es aber, bis → Ökosysteme wieder in einen annähernd natürlichen Zustand zurückkehren. Auch mit Maßnahmen zur Ausweitung der Waldfläche kann sofort begonnen werden. Auch hier benötigt der Wald aber etwas Zeit, um sich auf diesen Flächen, je nach Ausgangszustand und Bedingungne, zu entwickeln.


Bezüge zu anderen Maßnahmen

Bezüge zur ökologischen, naturnahen Waldbewirtschaftung, zur effizienten Holznutzung, zur Reduktion der Tierproduktion (aufgrund der ggf. Freiwerdenden Flächen) und zum Totholz im Wald und zu Moore.


Probleme sozialer, globaler oder Generationengerechtigkeit

Vor allem im globalen Kontext müssen Schutzgebiete zum Teil kritisch gesehen werden, weil sie sehr oft der Vorwand für die Vertreibung von Kleinbäuer*innen sind, und das auch in Europa waren. Strikte Schutzgebiete schließen oftmals auch Kleinbäuer*innen aus, die ihren traditionellen Wirtschaftsformen nachgehen, wie zum Beispiel der Waldweide, oder vielfältiger anderer Nutzung des Waldes. Auf globaler Ebene wären daher die Stärkung der (kollektiven) Landrechte lokaler und indigener Gemeinschaften eine wichtige, effiziente und gerechte Maßnahme, welche neben CO2-Bindung auch den Schutz von → Biodiversität, Ernährungssicherheit und ursprünglichen Waldflächen ermöglicht.


Weiterführende Literatur, Quellen

 

CLARA (Climate Land Ambition and Rights Alliance)(2018): Fehlende Pfade zum 1,5Grad Ziel. Die Bedeutung des Landsektors für ambitionierte Klimapolitik.- Executive summary.

Öko-Institut e.V. (2018): Waldvision Deutschland. Beschreibung von Methoden, Annahmen und Ergebnissen. Öko-Institut e.V. Berlin. Online verfügbar unter https://www.oeko.de/fileadmin/oekodoc/Waldvision-Methoden-und-Ergebnisse.pdf.

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