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Tot- und Schadholz im Wald lassen

Was ist das Problem?

In der momentanen Praxis wird “Tot- und Schadholz” in der Regel aus ökonomischen Beweggründen aus dem Wald entfernt. Allerdings ist dieses für Waldökosysteme und deren → Resilienz von hoher Wichtigkeit und rein ökonomische Abwägungen dürfen in Zeiten des Klimawandels kein Kriterium mehr sein.


Was ist die Maßnahme?

Die Maßnahme lautet daher, Tot- und Schadholz in weit größerem Umfang im Wald zu lassen. In Schutzgebieten sowieso, aber auch in wirtschaftlich genutzten Wäldern. Die Bäume, die sich durch Windflug und durch den Transport von Samen durch Vögel und andere Tiere auf "unaufgeräumten" Flächen ansiedeln, sind stabiler, risikoärmer und resilienter, als die von Menschen gepflanzten Setzlinge, da es sich um standortangepasste Arten handelt, deren Wurzelwerk zudem nicht durch Umpflanzen geschädigt wurde. “Schadholz” bietet Jungbäumen aus natürlicher Verjüngung gute Bedingungen durch einen besseren Feuchtigkeitshaushalt, als Nährstoffspeicher und als Schutz vor Extremwetter oder starker Sonneneinstrahlung. Alle Funktionen des "Schadholzes" für die Naturverjüngung sind insbesondere in den Zeiten des Klimawandels von außerordentlichem Wert.


Wie kann die Umsetzung aussehen?

Wenn weniger Holz eingeschlagen wird und die Bäume älter und dicker werden dürfen, sollte es relativ schnell mehr Totholz geben. Und das wird dann einfach liegen gelassen. Es geht also um das einfache Unterlassen von Handlungen für eine Abkehr von ökonomischem Produktivitäts- und Profitdenken.

Eine oft artikulierte Sorge ist dabei der Befall durch z.B. Borkenkäfer in Nadelholzmonokulturen und der Befall ähnlich strukturierter Flächen durch Liegenlassen des Schadholzes. Insgesamt wird aber (siehe auch andere Maßnahmen) der Umbau zu standortangepassten, stabilen und naturnahen Mischkulturen angestrebt. Dieser Waldumbau wird dadurch umso schneller vorangetrieben als beim weitaus langsameren Umbau einer gleichaltrigen Kultur zu strukturreichem Mischwald. Hierfür könnte es Ausgleichszahlungen geben.


Wie wird damit dem Klimawandel entgegen gewirkt?

Im Totholz selbst ist Kohlenstoff gespeichert, welcher durch die langsame Zersetzung nur allmählich frei und durch vom Totholz lebende Organismen meist direkt wieder gebunden wird. Damit trägt Totholz zu einer weiteren Kohlenstoffbindung bei. So könnte Totholz, zusammengenommen mit sich regenerierenden Waldböden im Schnitt 8 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr in Deutschland binden.


Welche anderen Effekte hat die Maßnahme?

Weitere sehr relevante Effekte sind der Erosionsschutz für die Böden. Zudem dient das Holz bis zur vollständigen Zersetzung als zusätzlicher Wasserspeicher und als Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten. Abgestorbene Bäume werden von Pilzen, Käfern, Vögeln und Fledermäusen bewohnt und sind begehrte Nist- und Brutplätze. Viele Käfer, die auf der Roten Liste der gefährdeten Arten stehen, sind auf solches Holz als Lebensraum angewiesen. Vor allem abgestorbenes Holz von Buchen und Eichen ist ein wertvoller Lebensraum. Die Artenvielfalt wird damit erhalten und gefördert. Dies ist insbesondere in Zeiten eines rasanten Artensterbens von enormer Wichtigkeit für stabile Ökosysteme.


Wie lang dauert es, bis die Maßnahme Wirkung zeigt?

Da die Wälder Deutschlands relativ jung sind, dauert es etwas bis richtig alte Bäume und damit auch große abgestorbene Bäume vorhanden sind. Allerdings sammelt sich zum Beispiel vor allem in Eichenwäldern recht schnell Totholz an. 

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