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Unnötiges Pendeln vermeiden


Was ist das Problem?


Laut dem ADAC-Berufspendler*innenreport pendeln in Deutschland 18 Mio. Menschen mindestens 10 km zum Arbeitsplatz, im Durchschnitt 17 km (Stand: 2017). Der größte Teil dieser Menschen (über 60 %) nutzt dabei das Auto. Das damit verbundene, tägliche Verkehrsaufkommen auf den Straßen ist enorm. Ein Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel ist nicht in allen Fällen möglich, da gerade in ländlichen Regionen entsprechende Angebote fehlen und selbst gut ausgebaute Verbindungen ihre derzeitigen Kapazitätsgrenzen bereits erreicht haben. Neben dem Ausbau dieser Angebote sollte die Notwendigkeit des Pendelns in vielen Berufsgruppen hinterfragt werden.


Was ist die Maßnahme?

Je nach Beruf und Aufgabe ist Pendeln unnötig. Durch die Digitalisierung können viele Aufgaben im Home-Office erledigt werden. Darüber hinaus können auch beratende und verkaufende Tätigkeiten, bei denen Kund*innen-Kontakt erforderlich ist, im Zeitalter von Skype und anderen digitalen Möglichkeiten ohne physischen Kontakt erledigt werden. Bei diesen Tätigkeiten muss Home-Office ermöglicht und unnötige Mobilität möglichst vermieden werden. Alternativ könnten diese Tätigkeiten auch in kommunalen Arbeitsräumen, die durch nicht-profitorientierte Stellen zur Verfügung gestellt werden, verrichtet werden.

Eine Unterteilung der Maßnahme in vier Kategorien von Berufen ist sinnvoll:

teilweises Home-Office möglich

Berufe, bei denen ein Großteil der Aufgaben im Home-Office oder in kommunalen Arbeitsräumen erledigt werden kann, teilweise aber auch physische Anwesenheit erforderlich ist, z.B. Bibliothekarin, Managerin, Produktionsplanerin, Sekretärin. Bei diesen Berufen sollten die Aufgaben, für die physische Anwesenheit und damit Pendeln erforderlich ist sinnvoll geblockt werden, z.B. auf einen Tag in der Woche. Nur an diesem Tag müssten die entsprechenden Personen zu ihrer Arbeitsstelle pendeln - der Rest wird zu Hause erledigt.

komplettes Home-Office möglich

Berufe, deren Aufgaben weitestgehend komplett im Home-Office oder in kommunalen Arbeitsräumen erledigt werden können, z.B. Buchhalterin, Informatikerin, Mathematikerin, Patentanwältin, Redakteurin, Webdesignerin. Bei diesen Berufen können die entsprechenden Büros geschlossen werden, und stünden dann z.B. als Wohnraum zur Verfügung, und die Aufgaben können dann von zu Hause oder von einem kommunalen Arbeitsraum in Wohnnähe aus erledigt werden. Gelegentlich notwendige Team-Besprechungen sollten auf ein Mindestmaß beschränkt werden - alles andere kann auf digitalem Weg ausgetauscht werden.

Automatisierung möglich

Berufe, deren Aufgaben ebenso gut durch Computer, Roboter oder künstliche Intelligenz erledigt werden könnte, z.B. Notarin oder Verwalterin. Bei diesen Berufen könnten die entsprechenden Arbeitsstellen und damit das unnötige Pendeln abgeschafft werden. Aus Gerechtigkeitsgründen ist hierfür das vorherige Einführen eines Bedingungslosen Grundeinkommens (siehe Bedingungsloses Grundeinkommen) notwendig.

Rationalisierung möglich

Berufe, in denen durch Vereinfachung, Vereinheitlichung, Entbürokratisierung und Zusammenlegung ein großer Teil der Aufgaben entfallen würde, z.B. Angestellte in öffentlichen Ämtern (z.B. Einwohner*innenmeldeamt, Arbeitsamt), Versicherungsvertreterin oder -angestellter, Marketingberater, Steuerberaterin. In diesen Bereichen sollte Aufgabenvermeidung das Ziel sein. Dadurch würde eine große Anzahl an Arbeitsplätzen entfallen und damit auch viel Pendelverkehr. Auch hier ist ein bedingungsloses Grundeinkommen zum Ausgleich wichtig.


Wie kann die Umsetzung aussehen?


Der erste Schritt wäre die Prüfung, für welche Berufe bzw. Aufgabenbereiche oben beschriebene Kategorien zutreffen. Weitere Umsetzung von der Kategorie abhängig:

erste und zweite Kategorie (Home-Office):

  • Bereitstellung der entsprechenden Home-Office-Software
  • Prüfung, ob Home-Office möglich und sinnvoll ist oder ob alternativ kommunale Arbeitsräume in jeweiliger Wohnnähe zur Verfügung stehen bzw. Schaffung selbiger
  • Schulung der betroffenen Mitarbeiter*innen
  • personelle und zeitliche Aufgabenumverteilung innerhalb der entsprechenden Firmen und Betriebe, sodass möglichst wenig Pendeln nötig ist
  • gegebenenfalls: Schließung der Büros und Umbau für andere Nutzung der Räume möglich (z.B. Wohnraum)

 

dritte Kategorie (Automatisierung):

  • Entwicklung der Techniken und Software, die die Arbeit der Menschen ersetzen kann.
  • modellhafte Prüfung dieser Techniken und schrittweise Einführung

 

vierte Kategorie (Rationalisierung):

Hierfür sind größere systemische Veränderungen erforderlich, die je nach Bereich unterschiedlich gestaltet werden müssten. Als Beispiel soll hier das Konzept "Zentrale Menschlichkeitsversicherung" dienen:

Diese Versicherung könnte das bisherige System der unnötigen Vielfalt an Kranken-, Pflege-, Renten-, Arbeitslosen- und Arbeitsunfähigkeitsversicherungen ersetzen. In diese Versicherung würden alle Bürger*innen Deutschlands je nach ihren Möglichkeiten einzahlen oder der Staat übernimmt das für sie (ein gerechtes System hierfür müsste noch entworfen werden). Diese Menschlichkeitsversicherung würde dann in allen Fällen von Krankheit, Alter, Unfällen usw. einspringen, während die Arbeitslosenversicherung bei Einführung des bedingungslosen Grundeinkommen sowieso entfällt. Für diese Versicherung gäbe es eine Zentralstelle in Deutschland. Die wenigen Tätigkeiten, die nicht von Computern durchgeführt werden können, könnten durch Menschen im Home-Office erledigt werden. In der Zentrale selbst bräuchte es kaum physisch Anwesende. Durch die massive Zentralisierung und Vereinfachung würde eine große Anzahl an Arbeitsplätzen v.a. in diversen gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen sowie im Arbeitsamt entfallen.


Wie wird damit dem Klimawandel entgegen gewirkt?

Unter der Annahme, dass ein Drittel des Pendlerverkehrs durch beschriebene Maßnahmen vermeidbar ist (--> Vermutung, müsste übergeprüft werden!) und an 230 Arbeitstagen im Jahr 18 Mio. Menschen in Deutschland im Durchschnitt 17 km (Hin- und Zurück also 34 km) pendeln, davon zwei Drittel mit dem Auto in dem nur eine Person sitzt, ließen sich durch diese Maßnahmen jährlich 34 Mrd. Autokilometer vermeiden. Bei einem Kraftstoffverbrauch von 8 Liter pro 100 km ließen sich damit in Deutschland etwa 6,3 Mio Tonnen Kohlendioxid jährlich einsparen. Zusätzlich wird CO2  eingespart bei Pendlern, die berufsbedingt häufig mit dem Flugzeug reisen.


Welche anderen Effekte hat die Maßnahme?

Weniger Pendeln heißt für die Betroffenen auch:

  • weniger Stress im Alltag, dadurch bessere Gesundheit (und höhere Leistungsfähigkeit, sofern der Wert "Leistung" in einer neuen, gesünderen Gesellschaft erhalten bleiben soll...)
  • mehr Freizeit
  • weniger Unfälle


Für Stadtbewohner*innen heißt geringeres Verkehrsaufkommen zusätzlich:

  • sauberere Luft --> weniger Atemwegserkrankungen
  • weniger Lärm --> höhere Gesundheit
  • weniger Unfälle auch für unbeteiligte Fußgänger, Radfahrer und spielende Kinder


Durch Schließung von Büros und Umbau könnte Wohnraum entstehen.


Wie schnell kann die Maßnahme umgesetzt werden?

Die Maßnahmen zu den Berufsbereichen 1 und 2 (s.o.) könnten bei entsprechender Gesetzgebung und positiver Resonanz seitens der Wirtschaft praktisch sofort umgesetzt werden. Schwierigkeiten hierbei könnten die Bereitstellung der Software für Home-Office-Tätigkeit und die Schulung der Angestellten darin darstellen.

Da die Maßnahmen der Berufsbereiche 3 und 4 (s.o.) radikale Einschnitte in das derzeitige System bedeuten, ist damit zu rechnen, dass die Umsetzung einige Jahre Zeit braucht. Insbesondere muss vorher das Bedingungslose Grundeinkommen eingeführt worden sein, damit kein Mensch mit dem Arbeitsplätz sein Lebensunterhalt verliert, die durch beschriebene Zentralisierung und Vereinfachung wegfallen würden.


Wie lang dauert es, bis die Maßnahme Wirkung zeigt?

Sobald die Maßnahmen umgesetzt werden, tritt eine entsprechende Minderung des jährlichen CO2 -Ausstoßes ein.


Probleme sozialer, globaler oder Generationengerechtigkeit

  • Der Abbau von Arbeitsplätzen könnte besonders in der Übergangsphase als ungerecht empfunden werden, sofern die soziale Absicherung durch ein Grundeinkommen noch nicht eingeführt wurde und unser derzeitiges Wertesystem nicht überdacht wird. (Sollte das Ziel wie bisher wirklich sein, dass jede*r Arbeit hat? Oder nicht eher, dass möglichst wenig gearbeitet werden muss?)
  • Ältere Menschen könnten Probleme in der Umstellung auf Home-Office haben, da dies Umlernen erfordert.
  • Home-Office-Tätigkeit könnte zu vermehrter sozialer Isolierung und körperlichen Aktivitätsmangel der Menschen führen. Andererseits könnte die vermehrte Freizeit dem entgegenwirken. Bei Schaffung kommunaler Arbeitsräume in Wohnnähe würde die soziale Isolierung weniger ins Gewicht fallen.
  • Bei Home-Office-Tätigkeit ist eine Trennung von Beruflichem und Privatem schwierig, weshalb erhöhte Burnout-Gefahr besteht. Dem sollte durch Arbeitszeitverkürzung gegenreguliert werden.
  • Der kreative Austausch zwischen Mitarbeitern und zwischen Chef und Mitarbeitern ist bei Home-Office-Tätigkeit weniger direkt. Bei Jobs, wo dies notwendig ist, sollten gelegentliche Treffen sichergestellt werden um diesen Austausch zu ermöglichen.
  • Die räumlichen Voraussetzungen für Home-Office zu schaffen könnte für einige Menschen in Anbetracht der Wohnungssituation schwierig sein - hier wäre dann stattdessen die Schaffung kommunaler Arbeitsräume sinnvoller. Andererseits stünden durch die Schließung von Büros, die dann nicht mehr benötigt würden, räumliche Ressourcen zur Verfügung, die zu Wohnraum umfunktioniert werden könnten, was die Situation entspannen könnte.
  • Die Abschaffung von privaten und gesetzlichen Krankenversicherungen könnte innerhalb einzelner Bevölkerungsgruppen als Einschränkung der Entscheidungsfreiheit wahrgenommen werden.

 

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