Lade...
 

gerechte Landwirtschaft, Ernährungssouveränität und Waldnutzung (ErLaWa)

Einleitung

Nach dem Sonderbericht des Weltklimarats IPCC vom August 20191 gehen 23% der aktuellen menschengemachten → Treibhausgasemissionen auf Landwirtschaft, Forstwirtschaft und andere Landnutzung zurück. Wenn jedoch alle Elemente, z.B. Inputs, Infrastrukturen usw., sowie alle Aktivitäten, z.B. Verarbeitung, Verteilung und Transport usw., des globalen Ernährungssystems einbezogen werden, liegen die Emissionen sogar bei einem Anteil von 37%.

Weltweit ist der Großteil der Emissionen aus dem Lebensmittelsystem durch die Tierhaltung verursacht2. Besonders die Änderung der Landnutzung, wie die Entwaldung für den Anbau von Futtermitteln oder für die Nutzung als Weideland, treiben den Klimawandel voran. Auch die Degradierung der Böden selbst und die Herstellung und Verwendung von → chemisch-synthetischen Düngemitteln stoßen enorme Mengen an → Treibhausgasen in die Luft. Der größte Teil der weltweiten Methan- sowie Lachgasemissionen gehen ebenfalls auf das Konto der Tierhaltung, zum Beispiel durch das Ausbringen von tierischen Exkrementen oder die Abbauprodukte aus der Verdauung von Wiederkäuern3.

Das aktuelle Modell der industriellen Landwirtschaft ist zudem für enorme soziale Ungleichheit und menschliches Leid hier und weltweit verantwortlich: Vertreibung von Kleinbäuer*innen und Indigenen von ihrem Land für den Anbau von großen → Monokulturen (Landgrabbing), Pestizidvergiftungen, sowie Mangelernährung und Hunger aufgrund der ungleichen Verteilung von Produktionsmitteln, wie Land und Wasser.


Die Überwindung der industriellen Landwirtschaft

Damit die Emissionen aus der Land- und Forstwirtschaf deutlich sinken, Boden und Wälder wieder zur natürlichen Treibhausgassenke (→ Senke) werden und soziale Gerechtigkeit gestärkt werden kann, braucht es eine radikale Neuorientierung der → Agrarpolitik. Doch wir sind mit einem Prozess der Machtkonzentration im Agrar- und Lebensmittelsektor konfrontiert. So dominieren bspw. sechs Unternehmen die weltweite Produktion von Pestiziden und Saatgut. Zudem werden internationale Handelsabkommen, → Subventionssysteme und Gentechnikgesetzgebungen größtenteils ohne Mitspracherechte der unmittelbar davon Betroffenen verabschiedet.4


Ernährungssouveränität & Agrarökologie: Unsere aktive Gestaltung der Agrarwende

Wir halten es daher für wichtig uns an dem politischen Konzept der → Ernährungssouveränität zu orientieren. Unter Ernährungssouveränität verstehen wir, in Anlehnung an die Deklaration von 2007 beim Nyéléni-Forum in Mali5, das Recht der Menschen ihre eigenen Lebensmittel- und Agrarsysteme demokratisch zu gestalten, ohne dabei anderen Menschen oder der Umwelt zu schaden. Dies erfordert den Aufbau von demokratischen Systemen und Verfahren, die frei von Gewalt und dem Einfluss von Konzernen sind und auf den gleichen Rechten aller sowie auf Geschlechtergleichheit basieren.

Die Agrarökologie wiederum ist ein wissenschaftlich fundiertes Konzept, das zugleich auf ökologischen Prinzipien, dem Ansatz der Ernährungssouveränität und dem Recht auf angemessene Ernährung basiert. Diese wird von sozialen Bewegungen, wie die internationale Kleinbauernbewegung La Via Campesina, eingefordert. Bäuer*innen, Verarbeiter*innen und Verbraucher*innen sind die Protgagonist*innen einer sozial gerechten und ökologisch nachhaltigen Umgestaltung der Agrar- und Ernährungssysteme. Gemeinsam können förderliche politische Rahmenbedingungen erkämpft werden. 6, 7

Zentrale Elemente der Agrarökologie sind:

  • Biodiverse Landwirtschaft: Eine Vielzahl von Techniken, welche zu einer erhöhten Biodiversität, Humusaufbau des Bodens und einem geschlossenen Nährstoffkreislauf beitragen (z.B. Fruchtfolgen, Leguminosenanbau) und schließlich auch die Selbstregulierungsfähigkeit und Resilienz des Systems stärken. Dadurch kann der Boden zu einer → Senke von → Treibhausgasen werden und Erzeuger*innen können unabhängig von Pestiziden und Stickstoffdünger werden.
  • Regionalisierung des Ernährungsystems: der Aufbau kommunaler Ernährungsräte und Projekte solidarischer Landwirtschaft; Förderung nicht-kommerzieller lokaler Verteilstrukturen sowie staatliche Aufkaufprogramme für öffentliche Institutionen;
  • Rückbau industrieller Tierhaltung: sofortiger Baustopp für Tierindustrieanlagen; Strukturwandelprogramm für bislang von Tierindustrie dominierten Regionen; Stopp aller Gülle-Importe; Verbot aller Futtermittelimporte; jährlich sinkende Flächenquoten für Futtermittelanbau; Fokus auf Leguminosenanbau;
  • Natur- & Klimaschutz: ehemalige Futtermittelflächen für Klimaschutzmaßnahmen reservieren, insbesondere Wiedervernässung ehemaliger Moore; flächendeckender Ausbau von Biodiversitätskorridoren; Flächenbegrenzung für Energiepflanzenbau;
  • Neuausrichtung der Ausbildungsprogramme auf Agrarökologie;
  • Mehr Kontrolle über Lebensgrundlagen: Kontrolle über Land, Wasser, Artenvielfalt und Wissen: Kollektive Besitz-und Bewirtschaftungsformen müssen dafür anerkannt und geschützt werden; lokales Saatgut erhalten und horizontal weitergeben (Saatguttausch); Agrarreformen einfordern; Landbesetzungen;
  • Geschlechtergerechtigkeit bei der politischen Mitbestimmung, der Kontrolle produktiver Ressourcen, beim Zugang zu Bildung und agrarökologischer Beratung;
  • Rechte migrantischer Saisonarbeiter*innen stärken.

Prozesse auf politischer Ebene:

  • Eine Neuausrichtung der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP).
  • Die deutsche Politik dazu auffordern, sich im Rahmen der Klimaverhandlungen der Vereinten Nationen (UN) und der internationalen Entwicklungs- und Klimakooperation für eine ökologische Agrarwende einzusetzen und insbesondere die „Scaling up Agroecology-Initiative“ der Welternährungsorganisation (FAO) finanziell zu unterstützen.
  • Die Bundesregierung dazu bewegen die UN-Kleinbauernerklärung zu unterzeichnen.
  • Climate-Smart Agriculture Lösungen skeptisch gegenüber sein, denn häufig werden dabei Methoden wie der Einsatz von genmodifiziertem Saatgut oder Precision Farming mit Agrarökologie gleichgesetzt (was Unsinn ist).


Weiterführende Literatur, Quellen




Maßnahmen zu:


Forum

 

 

 

Stand der Übersetzung

Eingehend:

Ausgehend:

Sprache umstellen